Roland Stimpel
FinanzenImmobilien
Vera v.Keller
EnergieUmwelt
KontaktImpressum
Kunden Lorbeeren Referenzen Qualitäten Honorare Musen
 

Kundenzeitschriften
  Magazingeschichten
  Service und Nutzwert
  Geschäftsberichte
  Ghostwriting
  Immobilienmarktberichte
 
  Arbeitsproben

Startseite
Wirtschaftspresse Berlin
© 2004

 

Wirtschaftswoche

Das große Krabbeln

Katz Biotech züchtet Schädlingsvertilger im großen Stil

Im Innenhof des Bundeskanzleramtes liegen sie ebenso auf der Lauer wie in der Touristenattraktion Biosphäre in Potsdam oder an Gurken- und Tomatenpflanzen der Gemüsegärtnerei Werderfrucht: Schlupfwespen, Raubwanzen und Schwebfliegen. Die Insekten fressen in Lichthöfen und Gewächshäusern Schädlinge wie Weiße Fliegen, Blattläuse oder Spinnmilben - und lassen so Zier- und Nutzpflanzen.besser gedeihen.

Die Krabbler stammen aus der Zucht der Katz Biotech AG im brandenburgischen Baruth, südlich von Berlin. Die Idee des biologischen Pflanzenschutzes ist zwar nicht grundsätzlich neu. Doch weil die Zucht dieser sogenannten Nützlinge aufwendig ist, fristeten die Betriebe neben klassischen Spritzmittelproduzenten bisher nur ein Nischendasein. Peter Katz, 43, Vorstand und Zuchtleiter der Katz Biotech, hat den Sprung nach vorne gewagt. In Baruth eröffnete der promovierte Agraringenieur aus dem Schwabenland im Oktober 2003 den größten deutschen Nützlingszucht-Betrieb. Für zwei Millionen Euro entstanden 4500 Quadratmeter modernster Produktionsfläche, davon 3000 Quadratmeter Gewächshäuser. Sein Ziel: Katz will bundesweit neue Maßstäbe in der effektiven und kundenorientierten Massenproduktion von Nützlingen setzen.

Die Startbedingungen sind günstig. Katz: "Botanische Gärten setzen zum Schutz ihrer Besucher auf biologischen Pflanzenschutz und Gartenbaubetriebe schwenken auf den Einsatz von Nützlingen um, weil einerseits Schädlinge in Gewächshäusern zunehmend resistent gegen Spritzmittel werden und andererseits keine schädlichen Chemikalien an den Pflanzen zurückbleiben."

Entscheidend für die Wahl des Standortes Baruth war, neben günstigen Ansiedlungsbedingungen und Fördermitteln, vor allem die direkte Nachbarschaft zum Biomassekraftwerk eines Holzverarbeiters. So konnte der Investor einen langfristigen Vertrag zur Versorgung mit preiswerter Wärme zum Beheizen der Gewächshäuser abschließen. Auch bei der Wasserversorgung verhandelte der gebürtige Schwabe so günstige Konditionen, das sich zur Bewässerung der Pflanzen nicht einmal der Bau eines Regenrückhaltebeckens lohnte.

"Eigentlich produzieren wir Schädlinge", schmunzelt Peter Katz beim Rundgang durch die Gewächshäuser. Ihre Lieblingsspeisen, Getreide, Tabakpflanzen, Tomaten, Bohnen oder Apfelbäumchen, wachsen in Phase eins auf Rolltischen, die etwa die Maße einer übergroßen Tischtennisplatte haben und leicht von einem Produktionsbereich zum nächsten geschoben werden können.

Haben Tabakpflanzen die richtige Größe erreicht, kommen sie auf den Speiseplan der Weißen Fliege. Wolken davon fliegen auf, als Zuchtleiter Katz die lappigen Blätter von Pflanzen bewegt, die schon länger den Schädlingen ausgesetzt sind. Auf der Blattunterseite kleben bereits die Eier der nächsten Generation. Sehen die Pflanzen so richtig erbärmlich angefressen aus, frohlockt der Züchter - jetzt beginnt im nächsten Gewächshausbereich die Zeit der Nützlinge.

Schlupfwespen legen ihre Eier in denen der Weißen Fliege ab. Die daraus entstehenden Larven ernähren sich vom Fliegen-Nachwuchs. Haben die Schlupfwespen-Larven die optimale Größe, wird geerntet. Das Verfahren allerdings, wie die schwarzen Insekten-Punkte vom Tabakblatt herunter, abgezählt in 500er-Portionen auf verkaufsfähige Pappstreifen gelangen, hütet Katz als Unternehmensgeheimnis. Vergleichsweise banal wirkt dagegen die Ernte von Raubmilben: Haben sie auf den Blättern der Buschbohnen Spinnmilben gefressen und sich dabei kräftig vermehrt, reicht es, die Bohnenblätter abzubrechen und sie mitsamt rund 500 Nützlingen darauf in Deckelgläser zu stecken.

Zweites Standbein für das insgesamt 16 Mitarbeiter zählende Unternehmen ist die Produktion von Nützlingen für die chemische Industrie. Pflanzenschutzmittel-Hersteller wie Bayer und BASF testen im Rahmen der Produktentwicklung, ob ihre Spritzmittel für Pflanzennützlinge verträglich sind. Dafür liefert Katz Biotech europaweit bisher vier verschiedene Nützlingsarten

Das dritte Standbein ist der Handel mit Nützlingen samt Beratung der Kunden. Im Angebot sind, neben den zehn Nützlinge aus eigener Zucht, insgesamt 40 Arten - darunter auch Hummeln für die Bestäubung von Tomaten. Hinzu kommt weiteres Zubehör für den biologischen Pflanzenschutz, wie Pflanzenstärkungsmittel und Insektenfallen.

Sicher, noch ist der Inlandsmarkt mit rund 10 Millionen Euro Umsatz übersichtlich. Doch der Unternehmer ist optimistisch: "Der Markt wächst." Im laufenden Jahr will Katz eine Million Euro umsetzen und damit in Baruth erstmals die schwarze Null erreichen. "Wir schaffen das", sagt der Unternehmer mit Blick auf den Packtisch, wo gerade 300000 Schlupfwespen-Larven und 17500 Raubwanzen für einen Gurkenanbauer in Thüringen verpackt werden. "95 Prozent unserer insgesamt rund 4000 Kunden sind konventionelle Gärtnereien", rückt Katz das Vorurteil zurecht, dass Nützlinge vor allem von Bio-Betrieben geordert würden.

Um mittelfristig seine Gewinn-Ziele zu erreichen, ist der Insektenzüchter immer auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. In die heiße Phase tritt gerade sein Projekt, Schlupfwespen auf Blutläuse in Apfelbäumen ansetzen. "Damit könnten wir den Schritt vom Gewächshaus ins Freiland schaffen", deutet Katz das Marktpotential seiner Innovation an. Nach Tests unter Glas, soll in diesem Jahr, gemeinsam mit der Biologischen Bundesanstalt, der erste großflächige Freilandversuch starten.

Zusätzliche Chancen im Gemüse- und Getreideanbau wittert Katz darin, dass Nutzpflanzen ganz unterschiedlich auf Schädlingsbefall reagieren. "Wenn Saatgutproduzenten Aussagen über Resistenzen oder Toleranzen einer Sorte gegenüber Schädlingen machen könnten", so der Agraringenieur, "dann ist das ein Verkaufsargument." Mit dem Entwickeln entsprechender Testverfahren hat Katz bereits begonnen, Kontakte zu Saatgutzüchtern bestehen. Das Credo des Rastlosen: "Wer den natürlichen Schutz der Pflanzen gegen Schädlinge nutzt, braucht die Risiken nicht einzugehen, die Gentechnik in der Landwirtschaft birgt."

Langfristig kann sich Katz auch vorstellen, Rohstoffe für die chemischen Industrie zu liefern. "Die Produktion von Insekteninhaltsstoffen - Chitin aus Käfern, Farbstoff aus Läusen oder Antibiotika aus Insekten - eröffnet ganz neue Möglichkeiten für Kosmetikprodukte und Arzneien", deutet der Unternehmer an.
Vera v.Keller

Geschäftsidee: Biologische Schädlingsbekämpfung sowie Lieferant von Test-Insekten für Pflanzenschutzmittel-Hersteller.

Umsatz: 1 Mio. Euro (2004)

Kunden: Gärtnereien, Botanische Gärten, Pflanzenschutzmittelhersteller, Wintergartenbesitzer


zurück...